Presse zu Thomas Matuszek

Presseinfos

DAS PACK ICH NICHT!
„Haben Sie den Koffer selbst gepackt oder hat ihn jemand für Sie gepackt oder hat Ihnen jemand beim Packen geholfen?“
„Den habe ich selber gepackt.“
„Und was ist das da?“
„Das ist ein Geschenk.“
„Was ist da drin?“
„Weiß ich nicht.“
„Wieso wissen Sie das nicht?“
„Na, ich hab‘s doch noch nicht ausgepackt!“
„Aber Sie haben es doch eingepackt!?“
„Ja – ich meine Nein! Ich habe es in den Koffer gepackt, aber das Geschenk habe ich nicht eingepackt, also in das Papier und den Karton, also, Sie wissen schon….“
„Wer denn?“
„Meine Freundin.“
„Also, dann hat Ihnen doch jemand beim Packen geholfen!“
„Nein, Nein – das ist ein Geschenk für mich, von meiner Freundin.“
„Warum haben sie es denn noch nicht ausgepackt?“
„Weil ich erst morgen Geburtstag habe.“
„Wir müssen aber wissen, was drin ist. Bitte öffnen Sie das Paket!“
Ich hole das Päckchen mit dem roten Geschenkpapier und der blauen Schleife aus dem Koffer und versuche die Schnur zu zerreißen. Es gelingt mir nicht.
„Haben Sie eine Schere oder ein Messer für mich?“
„Nein, sowas ist hier nicht erlaubt.“
Mir bleibt nichts anderes übrig als die Schnur durchzubeißen. Das dauert eine Weile, der Zollbeamte schaut auf die Uhr, ich fange an zu schwitzen. Endlich ist es geschafft! Ich zerreiße das Papier und öffne den Karton.
Meine Freundin hat mir eine Flasche Whisky vom Feinsten geschenkt. Single Malt. 12 Jahre alt. Ich bin begeistert.
„In Ordnung. Die können Sie wieder einpacken.“
Die Flasche verstaue ich wieder zwischen der Wäsche in meinem Koffer und verschließe ihn.
„Und was haben Sie da in der Tüte?“
„Cognac aus dem Duty Free Shop.“
„Wie viel?“
„Zwei Flaschen.“
„Das ist zusammen mit dem Whisky mehr als ein Liter. Das geht nicht. Entweder lassen Sie den Cognac oder den Whisky hier oder Sie verzollen den Alkohol. Dazu müssen Sie aber in das Zollbüro in Terminal 2, Halle….“
„Ja, ja – alles klar. Schönen Dank auch! Dafür habe ich jetzt wirklich keine Zeit mehr. Ich bin schon ziemlich spät dran.“
Den Cognac brauche ich unbedingt, da mein Geschäftspartner ausdrücklich darum gebeten hatte, ihm wieder etwas von dem edlen Tropfen mitzubringen.
Zähneknirschend öffne ich meinen Koffer und packe den Whisky aus. Aber auf keinen Fall soll der Zollbeamte ihn in Beschlag nehmen.
Ich drehe mich um, die Flasche Whisky in der Hand, und blicke in den Stau, den ich verursacht habe: In eine endlos erscheinende Schlange mürrisch dreinblickender Menschen.
„Hat zufällig jemand heute Geburtstag – anybodies birthday today?“ frage ich in die Menge.
Spontan schnellen drei Arme in die Höhe.
‚Das pack ich nicht,‘ denke ich entsetzt. ‚Gleich drei. Das gibt‘s doch gar nicht! Was soll ich denn jetzt tun? Ich kann doch nicht ungerecht sein und nur einem etwas schenken.‘
Alle starren mich an. Ich spüre, wie die Leute ungeduldig werden. Sie wollen einfach nur, dass es endlich weiter geht.
Ich packe schließlich auch noch den Cognac aus und überreiche jedem der überraschten Geburtstagskinder jeweils eine Flasche: Einem Japaner den Whisky und je eine Flasche Cognac einem Russen und einer Inderin.
Dann mache ich meinen Koffer wieder zu und will mich auf den Weg zum Flugsteig begeben.
Der Zollbeamte wünscht mir einen guten Flug und viel Spaß in Moskau.
„Ich fliege nicht nach Moskau, ich fliege nach Warschau.“
„Ach, das bringe ich immer durcheinander. Warschau, Moskau. Übrigens, seit Polen in der EU ist, dürfen Sie drei Liter Alkohol zollfrei mitnehmen, nach Russland nur einen. Oh-äh, das tut mir jetzt aber leid…“

MEDITATION IST GEFÄHRLICH!
Der Lotussitz ist wohl ehr was für Fortgeschrittene. Jedenfalls benötigte ich schmerzhafte zehn Minuten, um meine Beine in eine – für mein anatomisches Verständnis – vollkommen unnatürliche Position zu biegen. Jetzt sehen sie aus wie ein großes, behaartes Laugenbrezel.
Doch nun bin ich endlich bereit. Bereit für die Gedankenlosigkeit, für das Hier und Jetzt, den Augenblick in seiner grenzenlosen Ausdehnung.
Ich stelle die Eieruhr auf 45 Minuten. Dann ergreife ich mit totaler Achtsamkeit und gespannter Gelassenheit, den handgeschnitzten Sandelholz-Schlegel und führe ihn mit rascher aber nicht zu schneller, gleichmäßiger Geschwindigkeit an den Rand meiner echten tibetischen Klangschale. Augenblicklich erklingt der reinste aller Töne. Ich spüre die heilenden Schwingungen, wie sie sich im Raum, in meinem Körper und dann darüber hinaus in die Unendlichkeit ausbreiten. Ich folge ihnen, folge dem Ton, höre ihn mit unverminderter Kraft immer leiser werden, in der Gewissheit, dass er bis in alle Ewigkeit im gesamten Universum klingen wird, höre ihn immer zarter werden, leiser und leiser … höre ihn immer noch ein ganz klein wenig, und immer noch und immer noch und immer noch und …. dann… ab-so-lu-te Stille…….
HUUUUschhhhhhh, ha bouah!!! Mein Gott wie lange habe ich verdammt noch mal jetzt nicht geatmet? Und – hey – nicht einen einzigen Gedanken gedacht?! Ist ja irre! Völlige Gedankenlosigkeit! Total abgefahren! Bin ich jetzt erleuchtet? Na, wenn das nicht die Erleuchtung war, dann hatte ich auf jeden Fall ein Sarotti oder Satori oder wie das heißt, jedenfalls einen Vorgeschmack auf den wahren Frieden. Also weiter. Jetzt bloß nicht wieder anfangen zu denken.
Einatmen, dabei das Heben der Bauchdecke spüren – ich habe Hunger – das Heben der Bauchdecke spüren und langsam wieder ausatmen.
Mein Magen knurrt. Jetzt ein Stück Apfelkuchen…nein, einatmen …. ausatmen.
Ich denke „Einatmen“ und ich denke „Ausatmen“ – also denke ich doch, denke ich. Und jetzt denke ich, dass ich denke und denke, ich soll doch nicht denken.
Lass die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen. Ob es wohl regnet?
Den wievielten haben wir heute eigentlich? Den 31. Mai? ACH DU SCHEIßE: MEIN VATER HATTE GESTERN GEBURTSTAG!!!!!
Au schöner Mist! Nicht schon wieder! Jedes Jahr das Gleiche! Du musst sofort anrufen!
Nee, komm, das hat auch noch ein paar Minuten Zeit. Du sitzt ja nun schon ‘ne ganze Weile – kann doch jetzt nicht mehr lange dauern.
Ich tu so, als zittern meine Augenlieder in völliger Verzückung, verdrehe die Augen, wie ich es bei den großen Meditierern auf Fotos gesehen habe und erhasche dadurch einen kurzen Blick auf die Eieruhr. Mich trifft der Schlag! Bisher vergangen: 4 Minuten 56 Sekunden, 57, 58, 59 – 5 Minuten. Das glaub ich jetzt nicht! Erst fünf Minuten!
Und wo sind meine Beine? Um Himmels Willen – ich bin gelähmt! Ich spüre meine Beine nicht mehr, kann sie nicht mehr bewegen, keinen Fuß, nicht einmal einen Zeh! Meine Befehle werden einfach nicht ausgeführt. Es fühlt sich an als wäre da unten nichts mehr! Wie amputiert.
Mir bricht der Schweiß aus und ich ertappe mich dabei wie ich mir mit der Hand über das Gesicht wische. Verdammt, nicht einmal fünf Minuten kann ich still sitzen!
Dann folgt ein weiterer Versuch meine Beine zu bewegen. Völlig ergebnislos! Es gibt anscheinend keine Verbindung mehr zwischen meinem Gehirn und meiner unteren Körperhälfte.
Resigniert greife ich mit der linken Hand meinen linken Fuß und will ihn von meinem rechten Bein heben. Ich erstarre vor Schreck: Er fühlt sich an wie eine tiefgefrorene Schweinshaxe. Panik. Schweiß rinnt mir über die Stirn. Erst jetzt merke ich, wie sehr mir der Rücken schmerzt. Wenigstens spüre ich da noch was, stelle erleichtert fest. Aber der Schmerz wird unerträglich. Ich muss mich anders hinsetzen. Aber wie? Meine Beine reagieren immer noch nicht.
Wie ein hospitalisierter Schimpanse im Zoo fange ich an mit dem Oberkörper hin und her zu wippen, immer stärker bis endlich mein linker Fuss vom rechten Bein rutscht und hart auf den Boden klatscht. In dem Moment verliere ich das Gleichgewicht, kippe zur Seite und knalle mit dem Kopf gegen die tibetische Klangschale. Mit lautem Geschepper rollt sie über die Eieruhr, löst den Alarm aus, dreht noch ein paar Runden bis sie, immer langsamer rotierend, über die Eieruhr kippt und diese unter sich begräbt.
Ich liege auf dem Rücken, kann mich nicht rühren und halte vor Schmerz die Luft an. Zehn Millionen Ameisen laufen mit Golfschuhen und Walking Sticks über meine auftauenden Beine: Das Kribbeln ist so unerträglich, dass ich die Zähne fest zusammenbeiße, um nicht laut aufschreien zu müssen.
Eine Ewigkeit später versuche ich mit der rechten Hand die Eieruhr zu erreichen, um den Alarm auszustellen. Doch auf dem Rücken liegend bin ich nicht in der Lage, die Klangschale mit einer Hand anzuheben. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als das Klingeln zu ignorieren, sowie das Kribbeln in den Beinen, die Rückenschmerzen, die kreisenden Gedanken, die Schuldgefühle, den Hunger…. Plötzlich habe ich das Gefühl, neben mir zu stehen und alles nur zu beobachten.
Alles ist da aber ich bin nicht wirklich beteiligt. Ein warmes, wohliges Gefühl erfüllt mich langsam und ich spüre das ich lächle.
Stunden später öffne ich die Augen und stelle fest, dass ich kuschelig eingerollt in meiner Kaschmir-Wolldecke liege, den Kopf auf der umgestülpten Klangschale. Ich muss eingeschlafen sein.
Es ist bereits dunkel und sehr still. Die Batterien der Eieruhr sind inzwischen wohl leer.
Erleichtert stelle ich fest, dass meine Beine sich meinem Körper wieder angeschlossen haben. Ich stehe auf, rufe meinen Vater an und gratuliere ihm zum Geburtstag.
Er bedankt sich herzlich und fragt mich: „Warum rufst du einen Tag zu früh an? Heute ist der 30. Mai. Ich habe doch am 31. Geburtstag!“

MEIN ENTSPANNUNGSTAG
Ich halte das nicht mehr aus! Dieser Stress. Keine ruhige Minute. Ein Termin jagt den anderen. Jeder will was von mir. Fehler nicht erlaubt. Immer funktionieren. Ohne Pause. Hilfe!
Ich muss mich unbedingt entspannen. Sofort! Sonst werde ich noch krank: Mein Rücken würde sich jetzt schon hervorragend als Surfboard eignen, meine Schultern halten wie zwei eiserne Türkeile meinen Kopf in starrer Mittelstellung. Ist auch besser so, denn bei jeder Bewegung brummt mein Schädel wie der Vibrationsalarm meines Handys. Mein Magen reagiert auf jede Mahlzeit, als wäre sie mit Salzsäure gewürzt. Ich könnte so jedes Körperteil durchgehen, aber ich fasse zusammen: Ich leide ganzheitlich unter Hochverspannung! Dagegen werde ich jetzt konsequent etwas tun! Nächste Woche wird ohne Rücksicht auf Verluste ein Entspannungstag eingelegt! Da werde ich mich so richtig verwöhnen oder besser noch: Verwöhnen lassen. Einfach mal abschalten! Handy aus. Computer aus. Kopf aus.
Aber ein Tag ist ziemlich kurz und muss daher sinnvoll genutzt werden. Damit die Intensiventspannung auch ihre volle Wirkung zeigt, muss alles gut vorbereitet sein. Also erst einmal informieren.
In der Mittagspause blättere ich in unserem städtischen Wochenanzeiger und werde unter „Verschiedenes“ fündig: RELAX-OASE! Genau so etwas suche ich doch! Es ist zwar keine Adresse angegeben aber an der Telefon Nummer erkenne ich, dass der Entspannungstempel ganz in meiner Nähe sein muss. Sofort wähle ich die Nummer und eine freundliche Frauenstimme mit einem sympathischen Akzent gegrüßt mich mit den Worten: „‘allo, was kann isch für disch tun?“ Ah, da wird man gleich geduzt und ich fühle mich spontan wohl.
„Ja, ich muss mich mal so richtig entspannen. Was haben Sie, äh, was habt ihr denn zu bieten?“ „Bei uns du kannst bekommen ein‘ Ganzkörpermassage für ein‘ ‘albe Stund, ein‘ 45 Minute, und ein Stund‘. Am Schluss es gibt imme‘ ein‘ ‘andentspannung.“ Handentspannung? Was ist das denn? Ich frage: “Ist das eine spezielle Massage für Leute mit besonders verspannten Händen?“
Die freundliche Dame schweigt einen kurzen Moment, dann wiederholt sie alles noch einmal, wörtlich, bis auf den letzten Satz. Sie sagt jetzt: „Am Schluss du kommst in mein‘ ‘and.“ Ah, verstehe. Ich bedanke mich für die Auskunft, sie gibt mir noch ungefragt die Adresse („bei Schneider klingeln“) und versichert mir, dass ich keinen Termin zu machen brauche, da immer genug Mädchen da seien. Na super! Die Art von Entspannung ist mir zu körperteilbezogen. Ich brauche etwas ganzheitliches. Nur für einen Tag. Und sowieso: einen ganzen Tag lang nur Handentspannung schaffe ich nicht, außerdem wird das wohl auch zu teuer.
Zurück im Büro wird gegoogelt. Wenn es nichts “all inclusive“ gibt, muss ich mir meinen Entspannungstag eben selber bauen. Ich finde: Zwanzigmillionenfünfhunderttausend Einträge, ungefähr!
Puh! Das stresst! Aber bei Entspannungen gibt es sicher auch viele Wiederholungen. Fangen wir mit den ersten zehn Angeboten an:
1.Innere Ruhe durch Hypnose
2. Simplify your life
3. Entspannung bedeutet (Wikipedia) – allgemein das Lösen von Spannungen – Techniken zur Verminderung der körperlichen und seelischen Anspannung – Politik zur Verbesserung zwischenstaatlicher Beziehungen – Herabsetzung der Oberflächenspannung von Wasser durch Waschmittel – Verringerung des Druckes in einem Körper – Druckminderung eines unter Überdruck stehenden Gases
4. Stressbewältigungs CD
5. 13 Tage Wellness buchen, 10 Tage bezahlen
6. Fernlehrgang Wellness
7.Verwöhnen Sie Ihre Liebsten
8. Qi Gong
9. Entspannung nach Freilassung der Geiseln
10. BEST LIFE für Entspannung, Anti-Stress, Wellness, Yoga, Relaxen, Relaxation, Autogenes Training, Biofeedback, Wohlfühlen, Stressabbau, Erholung, …
Ich bin fix und fertig. Wenn ich gewusst hätte, dass schon die Planung von Entspannung so anstrengend sein kann, dann…
Ich schließe die Augen und lasse das Telefon klingeln. Ich höre, wie mein Computer mir ankündigt, das eine neue E-mail eigetroffen ist. Vielleicht ein Angebot für einen Tag Fernlehrgang Wellness mit einem Bonuskurs Qi Gong und 100 layedback Punkten, einzulösen überall dort, wo Entspannungstees zum Relaxgebäck serviert werden.
Plötzlich fällt mir ein Spruch ein, den ich früher, als ich noch entspannt war, all denen munter zugerufen habe, die so lebten, wie ich jetzt: „Wer Urlaub nötig hat, lebt verkehrt!“ Das stimmt. Wie so oft spüre ich, dass ich schon immer gewusst habe, was richtig ist, wie so oft habe ich die Wahrheit erfolgreich verdrängt, um… ja warum eigentlich? Um so falsch leben zu können, wie die anderen, die Urlaub nötig haben? Um mich so weit von dem Moment, dem Augenblick zu entfernen (in dem Spannung bei 100%iger Anwesenheit nicht möglich ist), dass eine schmerzhafte Distanz zwischen meiner physischen Präsenz und meinem Sein entstehen konnte?
Ich kenne die Wahrheit – sie ist einfach in uns allen – aber ich tue alles Erdenkliche, um sie nicht zu sehen.
Dabei ist es doch nur eine Frage der Entspannung!